Brücken schlagen: Deutsche Aufsichtsratsmitglieder und Schweizer Verwaltungsratsmitglieder im Austausch

19. Sep.. 2025 | Der Aufsichtsrats-Blog, Kapitalgesellschaften, Management

Gastbeitrag von Dominic Lüthi

Die Corporate Governance in Europa lebt von Vielfalt und internationalem Austausch. Während in Deutschland der Aufsichtsrat eine fest etablierte Institution ist, nehmen in der Schweiz die Verwaltungsräte eine zentrale Rolle bei der strategischen Führung ein.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Struktur der Unternehmensführung: In der Schweiz gilt Flexibilität, wobei aber mehrheitlich das monistische System zum Einsatz kommt. Geschäftsleitung und Überwachung sind mehrheitlich nicht getrennt, sondern im gleichen Organ vereint. Deutschland folgt dem dualistischen System: Der Vorstand führt, der Aufsichtsrat kontrolliert. Eine Person darf nicht beiden Organen angehören.

Auch bei Doppelrollen unterscheiden sich die Länder: In der Schweiz kann ein Verwaltungsratspräsident gleichzeitig CEO sein – effizient, aber hinsichtlich der Corporate Governance eher kritisch. In Deutschland ist eine solche Doppelfunktion untersagt, um Kontrolle und Führung klar zu trennen.

Ein dritter Unterschied betrifft die Mitbestimmung. In der Schweiz gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Arbeitnehmervertretung, während sie in Deutschland ein zentrales Element ist. Ab 2’000 Mitarbeitenden sind Arbeitnehmende im Aufsichtsrat paritätisch vertreten.

Trotz dieser Unterschiede stehen beide Länder vor ähnlichen Herausforderungen: zunehmende Regulierung, geopolitische Unsicherheiten, digitale Transformation, Nachhaltigkeit und der Ruf nach mehr Diversität. Gerade der Austausch bringt wertvolle Erkenntnisse – von der Effizienz des monistischen Systems bis zur starken Mitbestimmung im dualistischen Modell. Unterschiedliche Perspektiven ergeben übereinandergelegt oft ein spannendes neues Muster.

Was economiesuisse in der Schweiz empfiehlt

Der Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance von economiesuisse (Quelle: www.economiesuisse.ch) beschreibt klar: Der Verwaltungsrat soll klein genug für effiziente Entscheidungsfindung, aber vielfältig in Kompetenzen, Erfahrung, Geschlecht, Alter und Hintergründen.

Die Realität

In der Schweizer Praxis erfolgt die Rekrutierung von Verwaltungsräten häufig im engen Kreis der Inhaberschaft und ihres Netzwerks – besonders in KMU (Quelle: UZH Executive Education Blog: https://www.executive-education.uzh.ch/static/ee-web/de/blog/kmu_verwaltungsrat/). Doch es gibt Zeichen der Öffnung: Immer mehr Unternehmen erkennen, dass Unabhängigkeit, Diversität und digitale Kompetenz entscheidende Faktoren sind – und diese Talente oft nur ausserhalb des gewohnten Umfelds zu finden sind.

VRMandat.com – Ein Blick in die Praxis

Ein Beispiel für moderne Besetzungsprozesse von Verwaltungsratsmandaten ist VRMandat.com, 2012 von Dominic Lüthi gegründet. Unternehmen jeder Grösse können eigenständig nach passenden Verwaltungsrats- und Beiratsmitgliedern suchen – einfach, transparent und kostenschonend mit einer «Do-it-yourself-Methode».

Auch deutsche Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräte können sich registrieren und so Zugang zu einem geographisch erweiterten Markt erhalten, in dem Verwaltungsräte zunehmend als strategisches Instrument verstanden werden – zur Stärkung von Unabhängigkeit, Fachkompetenz und Zukunftsfähigkeit in KMU, Startups und Stiftungen.

Parallelen und Lernfelder

Besonders drei Themen verbinden Deutschland und die Schweiz:

  • Diversität: Vielfalt steigert die Qualität von Entscheidungen.
  • Digitalisierung: Virtuelle Sitzungen, Kompetenzprofile und Cybersecurity stehen auf beiden Agenden.
  • Unabhängigkeit: Balance zwischen Kontrolle und Ausführung bleibt zentral.

Die Schweiz punktet hier mit Pragmatismus, Deutschland mit strengen Governance-Regeln und Mitbestimmung.

Weiterbildung als Schlüssel

Professionelle Gremienarbeit erfordert kontinuierliche Weiterbildung. In der Schweiz gibt es etablierte VR-Lehrgänge und Zertifikatskurse. Auch wir setzen uns konsequent dafür ein, Verwaltungsräte in ihren Kompetenzen zu stärken – denn nur gut ausgebildete Gremien können die steigenden Anforderungen meistern.

Directors Academy und VRMandat.com – ein inhaltlicher Austausch

Mit diesem Gastbeitrag möchten wir den Dialog eröffnen. Directors Academy bietet in Deutschland eine umfassende E-Learning-Plattform für Aufsichtsräte. VRMandat.com zeigt, wie digitale Tools die Schweizer Governance-Landschaft prägen.

Beide Initiativen verbindet ein gemeinsames Ziel: Gute Unternehmensführung stärken, nachhaltiges Wirtschaften fördern, Wissen teilen und Brücken bauen.

Autor: Dominic Lüthi

Dominic Lüthi doziert u. a. im Lehrgang «Zertifizierte/r Verwaltungsrätin/Verwaltungsrat SAQ» der AKAD wie auch an weiteren Lehrgängen. Der Vater von zwei Kindern hat sein Unternehmen im zürcherischen Männedorf und gehört dem Vorstand verschiedener Organisationen an. 2012 lancierte er mit seinem Team zusammen die erste digitale Vermittlungsplattform für Verwaltungsratsmitglieder und KMU in der Schweiz. Später entwickelte sein Team eine Vermittlungsplattform für Stiftungen und Vereine, welche in den Stiftungsräten und Vorständen für mehr Managementkompetenz und bessere Durchmischung sorgt.

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