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Round Table: Quartalsbriefing für den Aufsichtsrat – Vorbereitung auf Q4

1 Oktober 2025 | 15:00 - 16:00
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Virtuelle Quartalsbriefings bei Directors Academy – Neues Format für alle Aufsichtsräte

In Anlehnung an unsere bisherigen schriftlichen Quartalsbriefings hat Directors Academy im Juli ein neues Format gestartet: Virtuelle Round Tables zu Beginn jedes Quartals, offen für alle Aufsichtsräte – unabhängig davon, ob sie in der öffentlichen Hand, bei Banken, Familienunternehmen oder Kapitalgesellschaften tätig sind.

Diese offenen Round Tables bieten eine komprimierte und praxisnahe Vorbereitung auf das jeweils bevorstehende Quartal. Im Mittelpunkt steht jeweils ein Expertengespräch, das von Viktoria Kickinger moderiert wird. Gemeinsam mit einer ausgewählten Expertin oder einem Experten werden aktuelle Entwicklungen, zentrale Herausforderungen und konkrete Empfehlungen für die Aufsichtsratsarbeit diskutiert.

Der zweite Round Table findet am Mittwoch, 01.10.2025, von 15:00 bis 16:00 Uhr statt. Zu Gast ist Klaus F. Jaenecke, Aufsichtsratsvorsitzender der Hansgrohe SE und der Ringmetall SE sowie Vorstandsvorsitzender des ARMID e.V. Im Fokus stehen die Aufsichtsratsprioritäten für das vierte Quartal sowie das Spezialthema „KI und Aufsichtsrat“ – inklusive neuer Regelungen, möglicher Stolperfallen und praxiserprobter Hinweise für die Gremienarbeit.

Ziel ist es, unsere bestehenden Nutzer ebenso wie neue Interessenten gezielt zu informieren und ins Gespräch zu bringen. Die virtuellen Briefings schaffen einen regelmäßigen, fachlich hochwertigen Austausch und dienen zugleich dem Ausbau unserer Community und Vertriebsarbeit.

Zusammenfassung des Round-Tables:

Überblick

  • Klaus Jaenecke stellte einen dreistufigen Ansatz für KI-Tools vor: Unternehmenssysteme, geschlossene Datenräume und externe Tools wie ChatGPT
  • Aufsichtsräte müssen Szenarioplanung für volatile Märkte implementieren – Klaus empfiehlt 2-3 verschiedene Szenarien statt rollierender Planungen
  • Strategieklausuren sollten jährlich über 2 Tage an Produktionsstandorten stattfinden, mit möglicher sekundärer Sitzung bei schnellen Änderungen
  • Klaus warnte eindringlich: Aufsichtsräte ohne KI-Kenntnisse werden bis 2030 nicht mehr gebraucht – nur juristische Anforderungen für natürliche Personen schützen vor KI-Ersatz
  • ARMID entwickelte “Advisor” – ein Custom GPT speziell für Aufsichtsratsvorbereitung mit vordefinierter Persönlichkeit und Expertenwissen

Budgetplanung und Szenarioentwicklung

  • Klaus betonte reduzierte Planungssicherheit durch extreme Marktvolatilität und “Trump-Syndrom” mit schwankenden Supply Chains und Zöllen
  • Operative Geschäftsführung sollte in Szenarien denken statt rollierender Planungen – letztere haben signifikanten Zusatzaufwand
  • Klaus empfiehlt 2-3 verschiedene Szenarien für mittelgroße Familienunternehmen als praktikable Lösung
  • Budgetdiskussion ermöglicht präzise What-if-Analysen zu Supply Chain-Störungen und Marktvolumen-Rückgängen um 10 Prozent
  • Sitzungsvorbereitung sollte 1-2 Wochen vor Unterlagenbereitstellung beginnen, nicht ad hoc in der Sitzung

Strategieentwicklung und Strategieklausuren

  • Klaus führt Strategietage jährlich im September über 2 Tage an Produktionsstandorten durch – keine virtuellen Sitzungen
  • Teilnehmer umfassen Aufsichtsrat, Vorstand und nächste Berichtsebene für Nachfolgeplanung und Talenterkennung
  • Klaus etablierte “Excellence Award” vom Aufsichtsrat für beste Präsentation – Preis ist eine Kiste Crémant für das Team
  • Zweite Reihe gewinnt fast immer den Award, was Fokussierung auf Themen verstärkt
  • Sekundäre Strategiesitzung bei schnell ändernder Welt vereinbar, aber nicht häufiger als zweimal jährlich

Sicherheitslage und Unternehmensresilienz

  • Klaus hob zunehmende hybride Kriegsführung durch Sabotagen und Cyberthemen als kritisches Thema hervor
  • Deutsche Unternehmen haben Sicherheitsbewusstsein noch nicht ausreichend entwickelt – skandinavische Tochterunternehmen priorisieren es als Thema Nummer 1
  • Unternehmen wissen oft nicht, welche Mitarbeiter ehrenamtliche Verwendung im Zivilschutz, THW oder als Bundeswehr-Reservisten haben
  • Klaus fordert Verankerung dieser Themen in Informationsordnung mit periodischem Reporting
  • Aufsichtsrat muss Themen adressieren, die nicht im operativen Tagesgeschäft aufschlagen

Aufsichtsrat-Effizienzprüfung

  • Externe Effizienzprüfungen alle 2-3 Jahre sind teuer und liefern oft ähnliche Standardergebnisse
  • Klaus praktiziert 5-Minuten-Fragebogen nach jeder Sitzung via QR-Code mit anonymisierter Auswertung
  • Zentrale Frage: “Haben Sie das Gefühl, jeden Tagesordnungspunkt umfänglich bearbeitet zu haben?”
  • Unmittelbare Reaktion auf Sitzungsqualität ermöglicht zeitnahe Anpassungen als Vorsitzender
  • Formelle Effizienzprüfungen typischerweise zum Jahresende, aber kontinuierliches Feedback effektiver

KI-Disruption von Geschäftsmodellen

  • Klaus beschrieb “totale Disruption” durch generative KI in Aufsichtsratsfähigkeiten und Unternehmens-Geschäftsmodellen
  • Hyper-Personalisierung ermöglicht Individualisierung auf einen oder wenige Kunden – Customer Journey ändert sich komplett
  • Produktionsautomatisierung durch Robotik kombiniert mit Software-Fähigkeiten transformiert produzierende Unternehmen
  • Aufsichtsräte müssen Leitmessen besuchen und wichtige Kunden verstehen – “findet nicht im Konferenzraum statt”
  • Entwicklungen in Asien überholen deutsche Führungsposition in vielen Domänen mit höherer Geschwindigkeit

KI-Tools für Aufsichtsräte

  • Klaus teilte KI-Nutzung in drei Welten: Unternehmenssysteme (Microsoft Copilot), geschlossene Datenräume, externe Tools
  • Geschlossene Datenräume (Diligent, Brainloop) entwickeln analytische Fähigkeiten schneller als Gesamt-IT-Architektur
  • Externe Tools wie ChatGPT für allgemeine Recherche ohne proprietäre Unternehmensdaten
  • Klaus warnte: Wer nicht bereit ist, KI-Tools zu nutzen, hat große Schwierigkeiten bei Mandatserfüllung
  • Business Judgment Rule erfordert heute Nutzung verfügbarer KI-Informationsquellen für Haftungsbefreiung

ARMID Advisor und Custom GPTs

  • ARMID entwickelte mit spezialisierter Agentur “Advisor” – Custom GPT mit Aufsichtsrats-Persönlichkeit
  • System fragt zurück statt automatische Antworten: Sitzungsvorbereitung oder externe Analyse? Verfügbare Zeit?
  • Bei 3-4 Minuten Q&A-Zeit liefert 2 präzise Fragen statt umfangreiche Informationen
  • Hinterlegt mit Expertenwissen wie Deutschem Corporate Governance Codex
  • Klaus betonte: “Ich bin kein IT-Spezialist” – 15 Minuten YouTube-Video reichten für Verständnis

KI-Regulierung und Compliance

  • AI Act und 1500 jährliche regulatorische Änderungen international schaffen widersprüchliche Anforderungen
  • Klaus empfiehlt Integration in Vorstandsreporting statt separates KI-Reporting-System
  • Fokus auf wesentliche Herausforderungen für Unternehmen, nicht auf jeden einzelnen Act
  • Individuelle Diskussion zu spezifischen KI-Anwendungen (Visualizer, Konfiguratoren) zielführender als generelles Reporting
  • Sensible Unternehmensdaten gehören nicht in private KI-Vorbereitung – nur in geschützte Datenräume

Zukunft der Aufsichtsratstätigkeit

  • Klaus prognostizierte: “Aufsichtsräte mit Zuschauersyndrom werden nicht mehr gebraucht”
  • Einzige Schranke zwischen KI-Agent und Aufsichtsratstätigkeit: juristische Anforderung natürlicher Personen in Deutschland
  • 2030 werden Aufsichtsräte ohne KI-Rüstzeug verschwinden
  • Aufsichtsrat muss sich als konstruktiv-kritischer Sparringspartner des Vorstands qualifizieren
  • Rolle verändert sich von passivem Zuhörer zu aktivem Berater mit KI-unterstützter Vorbereitung

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